Ausverkauf der deutschen Sprache
Ich mag Sprachen; ohne sie wär’s ruhig da draussen. Im europäischen Raum ist das Deutsche sogar besonders schön mit seinen offenen Vokalen, leider aber auch anspruchsvoll wenn’s ums geschriebene Wort geht. Anfang des 21. Jahrhunderts noch war Deutsch die am meisten gesprochene Muttersprache in Europa und die am zweitmeisten veröffentlichte Sprache in der Literatur. Seit einiger Zeit ändert sich das leider frappant und vor allem Englisch ist auf dem Vormarsch.
Kleines Beispiel angelsächsischer Importware gefällig? Ich durchquere den Hauptbahnhof von Bern. Vor mir eine Gruppe blutjunger Frauen. Sie sind aufgewühlt, voller Vorfreude auf etwas, das mir nicht bekannt ist. Laut unterhalten sie sich; man ist gezwungen mitzuhören:
„Die haben ein geiles Sortiment – einfach so nice“, meint die mit dem bauchfreien Top vor mir. „Ja besuch ich auch gern – bin immer mega satisfied“, ergänzt eine Mitläuferin. Ich ärgere mich.
Warum sind wir Schweizer nicht stolz auf das, was unser Mini-Land ausmacht? Warum wollen wir um jeden Preis bei jedem globalen Trend mitmischen? Merken wir nicht, wie lächerlich es daherkommt, wenn selbst in einem tranigen Dialekt wie dem Bärn Dütsch angelsächsische Importfetzen eingebaut werden? Leider breitet sich diese Sprachverhunzung epidemisch aus. Der Schweizer Kommentator zum Beispiel, der nach dem Skirennen im Zieleinlauf ins Mikrofon röhrt: „So eine Pace wie er hat nicht jeder“. Oder sein Mitkommentator, der herausgefunden hat, dass ein anderer Rennfahrer das Ziel auch in time erreichte.
Verständnis habe ich dafür, dass gewisse Lebensbereiche diesem Englisch-Trend unterworfen sind. Computerbegriffe zum Beispiel verlangen nach einer weltweit gängigen Sprachfindung, zumal ihre Technologie ihren Ursprung ja nicht in Tschamut hat (kleiner Ort im Kanton Graubünden). Da sind aber noch einige andere Sparten, die mit Anglizismen überflutet werden und dort finde ich sie unpassend. Der Shitstorm zum Beispiel verfehlt seine Wirkung zwar nicht und klingt harmloser als ein Sturm mit Scheisse, aber es liesse sich sicher eine prägnante Alternative aus unserem eigenen Sprachraum dafür finden. Zudem lösen solche Begriffe Verwirrung aus, denn wie werden sie geschrieben? Die Arbeit von Daheim zum Beispiel - also aus dem Homeoffice: zusammen oder getrennt, mit Bindestrich oder ohne, Home gross, wenn ja, was wird dann aus dem Office?
Und zuletzt noch dies:
Ob der Cupcake wirklich besser schmeckt als der Mini-Gugelhopf muss jeder selber wissen. Dass aus einem Termin gleich eine Deadline – also eine tote Line - werden muss finde ich ziemlich übertrieben. Weshalb wir Menschen nicht mehr treffen, sondern daten weiss keiner. Dennoch scheint es so, als ob ein Smoothie definitiv besser die Gurgel herunter flutscht als ein gewöhnlicher Frucht- oder Gemüsesaft.
Am doofsten – zumindest aus heutiger Sicht – klingt es aber für meine Ohren, wenn sich die Herren Meier und Hugentobler im Ochsen zum Lunchen treffen. Für diese Einfallslosigkeit sollte man die beiden in der Tat lynchen.